© Fondation du Camp des Milles
20. Mai 2019
19:00 Uhr

Konferenz: Alain Chouraqui - HEUTE HANDELN GEGEN IDENTITÄRE ESKALATIONSMECHANISMEN

20. Mai 2019
19:00 Uhr

Konferenz "Heute handeln gegen identitäre Eskalationsmechanismen, die zu Massenverbrechen führen - Die Antwort der Gedenkstätte des Camp des Milles" mit Prof Dr. Alain Chouraqui

Wie entwickeln sich Gesellschaften vom "gewöhnlichen" Rassismus zur "unvorstellbaren" Barbarei? Und wie können wir dagegen Widerstand leisten?

Als Antwort darauf gibt die Gedenkstätte Camp des Milles (Aix-en-Provence) einen interdisziplinären Schlüssel zum Verständnis, die auf einer multiperspektivischen Analyse des Genozids basiert: Individuelle, kollektive und institutionelle Mechanismen können zum Schlimmsten führen, wenn nicht jeder einzelne Widerstand leistet, jeder Bürger, aber auch Behörden, Parteien, Gewerkschaften, Medien, NGOs...

Seit der Shoah wissen wir, dass diese Mechanismen, wenn sie von identitären Vorstellungen genährt werden, Gesellschaften von einem rassistischen, antisemitischen oder fremdenfeindlichen Nährboden bis hin zu unbeschreiblichen Schrecken führen können. Es sind gewöhnliche Menschen, die außerordentliche Verbrechen verüben, ermöglichen oder zulassen. Ohne sie wären Extremisten und perverse Verbrecher nicht in der Lage, etwas zu erreichen. Daher gibt es für jeden Einzelnen eine Mitverantwortung, die umso unumgänglicher ist, da jeder auf seine Weise und in sehr unterschiedlichen Formen reagieren und widerstehen kann. Nichts zu tun bedeutet, es geschehen zu lassen. Schweigen und Passivität werden schnell zur Komplizenschaft. Unsere Vorfahren waren nicht dümmer als wir, aber sie wussten nicht, dass das Undenkbare möglich ist.

Sind diese eindringlichen Lehren aus der Geschichte und den Geisteswissenschaften heute nicht noch notwendiger, wenn die Demokratie, besonders in Europa, durch den sich gegenseitig nährenden identitären, religiösen und nationalistischen Extremismus bedroht ist?

  • Prof. Dr. Alain Chouraqui:

Emeritierter Forschungsdirektor am CNRS und Gründungspräsident  der Fondation du Camp des Milles – Mémoire et Éducation. Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls "Éducation citoyenne, sciences de l’homme et convergence des mémoires". Für sein bei Cherche-Midi erschienenes Buch "Pour résister… à l’engrenage des extrémismes, des racismes et de l’antisémitisme" erhielt er 2016 den Prix Seligmann gegen Rassismus, Intoleranz und Ungerechtigkeit, der von den Pariser Universitäten an der Sorbonne verliehen wird. Aus diesem Buch entstand das "Kleine Handbuch für das demokratische Überleben".

  • Vortrag auf Französisch mit deutscher Simultanübersetzung
  • Bitte melden Sie sich unter folgender Adresse an: nina.struckmeyer@civs.de

Das könnte Sie auch interessieren

Freitag 07 Jun 2019 - 19:00